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22.9.2017 : 15:34 : +0200

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Kirche Burkersdorf

Historie:

Die auf einer Anhöhe gelegene Evangelisch Lutherische Pfarrkirche gehört zu den schönsten sächsischen Dorfkirchen. Die bereits 1346 im Bistum Meißen erwähnte selbständige Kirchgemeinde, musste also auch eine Kirche gehabt haben. Die Jetzige wurde um 1500 gebaut und ist neben dem Pfarrhaus das älteste Gebäude Burkersdorfs. Das gotische Kreuzgewölbe der Sakristei, die obere spitzbögige Südtür, sowie der Altar weisen durch ihre Bauweise darauf hin, dass sie früher eine Marienkirche war. Der spezifische Charakter wird besonders durch die barocke Bauernmalerei bestimmt. An der Kasettendecke kann man die Darstellung des Jüngsten Gerichts sehen, die Gottfried Geißler aus Oberbobritzsch 1719 schuf.

Der Charakter der Burkersdorfer Kirche wird jedoch bestimmt von barockaler Bauernmalerei. An der Kassettendecke kann man die Darstellung des Jüngsten Gerichtes sehen, neben mit Ornamenten oder mit ausdrucksvollen Engelsgestalten versehenen Tafeln. Diese Malerei verleiht der Kirche eine warme, fast heitere Athmosphäre. In dieser Kirche fühlt man sich wohl, sie ist bunt wie das Leben selbst. Sie predigt biblische Geschichte; sie erzählt von den Menschen früherer Generationen, von Glaube und Zweifel, von Leid und Freude.

An den Emporen sind biblische Szenen dargestellt - an der Südseite aus dem alten Testament und an der Nordseite aus dem neuen Testamet. Eine Bilderbibel mit 88 Tafeln schmückt so die Kirche in einzigartiger Fülle. In der kirchlichen Jahresschlussrechnung 1728/29 ist zu lesen, dass der Maler Christian Räthel aus Purschenstein dafür 65 Taler und 5 Gulden erhalten hat. Ab 1993 erfolgte dann eine Rekonstruktion sämtlicher Malereien durch die Fa. Moosdorf, Freiberg. Die Kosten beliefen sich auf ca. 650.000 DM. Herr Eberhard Geschler aus Sohra führte diesen Auftrag aus.

1774 erfolgte dann eine Turmreparatur, 1823 die nächste. 1906 bekam die Kirche eine neue Turmuhr und 1915 elektrische Beleuchtung. Durch die Reformation stand die Predigt im Mittelpunkt, somit wurden 2 Emporen eingebaut, um mehr Sitzgelegenheiten zu schaffen. Deshalb verschwand der Sitzbogen am Haupteingang und das Sakramentshäuschen.

700 Menschen fanden nun Platz. Die Kanzel wurde vermutlich gleichzeitig errichtet, da beides im Stil der Renaissance gebaut ist.

Der Altar
Der zweifach wandelbare, spätgotischer, holzgeschnitzte Flügelaltar wurde um 1480 von einem Burkersdorfer Meister geschaffen. 11 holzgeschnitzte Marien- und Heiligenfiguren, von denen eine 1990 bei einem Einbruch entwendet wurde (siehe unten), zeigen Szenen aus der Advents- und Passionsgeschichte. Von gleicher Hand wurde auch der Martinsaltar in der alten Kirche von Weinböhla gebaut.

Die Kanzel
Im Schalldeckel, der sich über der Kanzel befindet werden dem Verkünder des Wortes Gottes die erhabensten Vorbilder vor Augen gestellt. Das Vierfach - Stundenglas (Sanduhr) diente früher dem Pfarrer zur zeitlichen Straffung der Predigt, da die Aufnahmefähigkeit der bäuerlichen Zuhörerschaft begrenzt war. Die Gläser waren unterschiedlich gefüllt und liefen nach 15, 30, 45 Minuten und zur vollen Stunde ab.

Die Orgel
In der Kirche stand vor dem Umbau im Jahre 1706 ein Positiv. Dies ist eine kleine Orgel ohne selbständiges Pedal, ähnlich einem Harmonium. Danach wurde eine Orgel eingebaut. Zu den Kosten und zum Erbauer gibt es keine Angaben. Das Orgelgehäuse ist mit sehr schönen barocken Schnitzereien versehen. 1901 wurde sie um ein Register vergrößert und 1931 wurde eine große Reparatur vorgenommen. Das barocke Orgelprospekt lässt eine Nähe zur Silbermannschule vermuten, wurde aber nicht von Silbermann gebaut, da er erst 1710 wieder in die Heimat zurückkehrte. 1950 baute die Fa. Jehmlich, Dresden das Orgelwerk neu auf und 1988/89 erfolgte eine Generalüberholung.

Der Taufstein
Bis 1793 stand der Taufstein mit darüberhängender, steinernen Haube inmitten des Altarraumes. Leider ist auch die Zeit seiner Erschaffung unbekannt. Der Erbauer war der Bildhauer Köhler aus Reichstädt bei Dippoldiswalde. Später wurde der Taufstein mit einer hölzernen Haube versehen, dieser musste aber, weil er vermodert war, wieder erneuert werden. Dafür spendeten die Dorffrauen 30 Reichstaler, 12 Groschen und 3 Pfennige. Die Eltern des ersten, an dem neuen Stein getauften Kindes spendeten die Taufkanne, die heute noch benutzt wird.

Die Glocken
Die Burkersdorfer Kirche hat 3 Glocken, wovon 2 über 400 Jahre alt sind und der ersten Kirche zuzuordnen sind. Die kleinste und jüngste Glocke stammt nicht aus der Vorgängerkirche, sie stammt auch dem frühen 19. Jahrhundert. Nachdem sie im 2. Weltkrieg abgenommen wurde, konnte das Geläut 1976 wieder komplettiert werden. Sie wurde von der Kirchgemeinde Borna bei Liebstadt (Pirna) käuflich erworben.

Die mittlere Glocke ist die Älteste und zeigt in dünnen Relief primitive, lineare Ornamente als Fries und stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. Eine genaue Datierung gibt es nicht.

Die große Glocke mit 1,20 m Durchmesser trägt die Inschrift: "Maria, Mutter der Gnaden, Mutter der Barmherzigkeit, du beschützest (beschirmst) uns vor dem Feinde".

1974 wurde das elektrische Glockengeläut in Betrieb genommen und zugleich das Glockenjubiläum begangen.

Das Beinhaus
1933 wurde bei Ausbesserungsarbeiten an der Kirche, unter der Sakristei ein Beinhaus entdeckt. In diesem Gewölbe liegen hunderte Arm- und Beinknochen. Wir nehmen an, dass dort vom Totenbettmeister die Überreste nach Herstellung eines neuen Grabes untergebracht wurden. Die Bauweise des Beinhauses weist daraufhin, dass durch die Außenmauer eine Tür nach innen führte. Der Kirchenvorstand beschloss, das Beinhaus zu belassen und die Tür zu vermauern.

Der Friedhof
Da der alte Friedhof, der in unmittelbarer Nähe der Kirche war, zu klein wurde, veranlasste 1939/31 Pfarrer Werner Richter, einen neuen Friedhof anzulegen. Der neu angelegte Friedhof umfasst 308 Grabstellen.

Wie in Burkersdorf Selbstmörder begraben wurden
Beim Begräbnis eines Selbstmörders entstanden zwischen den Angehörigen und dem Ortsgeistlichen große Zerwürfnisse. Die Angehörigen wünschten eine Feierlichkeit, aber die Kirche versagte Geläut und Gesang. Erst später wurden diese Bestimmungen durch das Landeskirchenamt abgeschafft. Da der Selbstmord als Schandtat angesehen war, durfte der Leichnam nicht durch das große Tor getragen werden, sondern durch das sogenannte schwarze Tor. Dieses befand sich an der Nordseite, wo jetzt die Totenhalle steht. War in einem Ort kein schwarzes Tor, so wurden die Toten über die Friedhofsmauer gehoben. Man begrub damals die Selbstmörder ohne jede feierliche Handlung an der Friedhofsmauer.

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