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18.10.2017 : 20:32 : +0200

Stadtgeschichte

Frauenstein entstand vermutlich gleichzeitig mit der Burg um 1200 als Ansiedlung von Bauern und Bergleuten. Die ältesten Schreibweisen des Namens Frauenstein lauten:

  • Vrounsten (1218),
  • Vrowenstein (1272),
  • Vrouwenstein (1321),
  • Vrowinstein (1385),
  • Frawenstein (1424).

Das mittelhochdeutsche Wort ,,Vrowe" bedeutet ,,Frau" im Sinne von Herrin oder Dame von höherem Stand.

1329 überließ der Meißner Markgraf Burg und Herrschaft Frauenstein den Burggrafen von Meißen. Anno 1411 verlieh Burggraf Heinrich von Meißen der Gemeinde Frauenstein das Stadtrecht. Im Jahre 1426 nahm Kurfürst Friedrich I. von Sachsen unter anderem auch Frauenstein in seinen Besitz, während König Sigismund von Böhmen, gleichzeitig deutscher Kaiser, seinen Hofrichter Heinrich von Plauen mit der Burggrafschaft Meißen und damit auch mit der Herrschaft Frauenstein belehnte. Friedrich II. überließ später Frauenstein Heinrich von Plauen als markgräfliches Lehen. 1438 wurde, verursacht durch Streitigkeiten, die Burg Frauenstein sechs Wochen vom Markgrafen belagert. 1473 wurde das Geschlecht von Schönberg mit Stadt, Burg und Amt belehnt. Die ersten Einwohner von Frauenstein sind gewiss Handwerker und Bergleute gewesen, denn aus einer an anderer Stelle erwähnten Urkunde des Markgrafen Heinrich von Meißen von 1266 kann man mit Sicherheit schließen, daß in diesem Gebiet schon Mitte des 13. Jahrhunderts Bergbau betrieben worden ist.

Um 1500 erfolgte eine planmäßige Neuanlage auf dem Plateau zwischen Burg und Sandberg. Der Ort erhielt eine Stadtmauer mit vier Toren. Im Dreißigjährigen Krieg war der letzte Frauensteiner Schönberg infolge der Kriegsschäden so verschuldet, daß seine Erben die Herrschaft 1647 an den Kurfürsten von Sachsen verkaufen mußten. Somit wurde Frauenstein wieder landesherrliche Amtsstadt. Über die Entstehung und Bedeutung des Namens ,,Frauenstein" gibt es keine zuverlässigen Nachrichten, sondern nur mehr oder weniger wahrscheinliche Vermutungen. Da ,,der Frauenstein" zunächst eine mittelalterliche Ritterburg war, könnte man den Namen mit der ritterlichen Frauenverehrung (Minnedienst) in Verbindung bringen, die zur Gründungszeit der Burg um 1200 ihren Höhepunkt hatte. Noch wahrscheinlicher ist es, daß die Burgkapelle ,,Unser lieben Frau" geweiht war und der Name ,,Frauenstein" auf die Verehrung der Jungfrau Maria zurückgeht. Der Ort lag einst in dem Talgrund am nordöstlichen Fuß der Burg. Die neue, jetzige Stadt ist aller Wahrscheinlichkeit nach im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts entstanden.

1873 verlor Frauenstein durch die Errichtung der Amtshauptmannschaft seine jahrhundertelange zentrale Stellung. Es gehörte nun zur Amtshauptmannschaft bzw. zum Landkreis Dippoldiswalde. Durch die Verwaltungsreform 1952 kam Frauenstein zum neugebildeten Kreis Brand- Erbisdorf. Frauenstein ist im Laufe seiner Geschichte dreimal von Feuersbrünsten heimgesucht worden. Erstmals im Jahre 1534, ein zweiter Stadtbrand folgte 1728. Bei diesem sowie beim dritten Brand 1869 brannte die Kirche völlig aus, und die Orgeln, welche der berühmte Orgelbauer Gottfried Silbermann für seine Heimatstadt gebaut hatte, wurden ein Raub der Flammen. Das Städtchen besitzt zwei bedeutende historische Bauwerke: Einmal das Schloß, das in den Jahren 1585 bis 1588 unter Heinrich von Schönberg nach den Plänen des kurfürstlichen Baumeisters Hans Irmisch erbaut wurde. Zum anderen eine aus der Zeit um 1200 stammende Burg, die bis zum Jahre 1588 bewohnt war und beim Brand 1728 zur Ruine wurde.

Dieser Stadtbrand zog die Burg in Mitleidenschaft. Dabei wurde sie ihrer Schindelbedachung beraubt. Man verzichtete auf eine Wiederherstellung der Dächer. Das Bauwerk hatte keinen praktischen Wert mehr, und deshalb bestand auch kein Interesse an seiner Erhaltung. Von der Burg und dem Schloß Frauenstein, die sich weit sichtbar über das Städtchen Frauenstein erheben, hat man einen weiten Blick in das Osterzgebirge. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist die Burganlage, eine der schönsten Sachsens, von Mai bis Oktober täglich ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Nah und Fern. Frauenstein als staatlich anerkannter Erholungsort lebte über Jahrzehnte hinweg mit Fremdenverkehrstraditionen und Wintersport. Erleben, Wohlfühlen und Erholen - stehen auch heute im Vordergrund. Der Ort nimmt die Zentrumsfunktion für Verwaltung, medizinische Versorgung und Einkauf ein und ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge wie z. B. nach Dresden, Freiberg, Prag u.v.m..

Sowohl die Burg Frauenstein als auch die Stadt als ehemalige ,,Amtsstadt" haben eine ereignisreiche Geschichte. Viele Beiträge wurden bereits veröffentlicht, die Einblick in frühere Lebens- und Zeitverhältnisse gewährten. In den vergangenen Wochen besuchten viele Schulklassen das Museum und die Burgruine. Viele Kinder interessieren sich für Waffen. Sie bewundern im Museum eine steinerne Kanonenkugel aus dem Jahre 1438 und betrachten eine Hellebarde und ein Schwert. Neulich fragten Kinder,ob mit diesen Waffen Menschen getötet wurden. Diese Frage konnte ich natürlich nicht beantworten, aber sie war für mich der Anlass, sich mit dem "Frauensteiner Gericht" zu beschäftigen.

Wir wissen, daß in früheren Zeiten schon bei verhältnismäßig leichteren Vergehen harte Strafen verhängt worden sind. Die "Unterthanen" waren ja mit Leib und Leben der Gnade oder Ungnade ihrer "Herren" ausgeliefert. Wir kennen den Wortlaut des Eides, den alle leisten mußten, die als Untertanen aufgenommen wurden. Der Eid beginnt mit folgenden Worten: "Ich schwöre daß ich dem Edlen, Gestrengen Ehrenvesten, meinen lieben Lehen- und Erbherren getreu holdt und gewertigk sein will..."

Auch in Frauenstein gab es zur Vollstreckung von Todesurteilen einen Galgen. Derselbe wird urkundlich 1599 erwähnt. Der Galgen, auch oft ,,das Gericht" (d. h. Richtstätte) genannt, hat in südwestlicher Richtung hinter dem Sandberg gestanden. In der Frauensteiner Chronik von 1748 ist über die wahrscheinlich letzte Hinrichtung zu lesen, die sich damals zutrug:

Eine junge Frau, namens Anna Maria, kam aus Dresden und suchte Arbeit. Sie fand in Hartmannsdorf bei Frauenstein eine Stellung als Bauernmagd. Bald wurde bekannt, daß sie schwanger ist. Sie gebar ein Kind, das gleich nach der Geburt starb. Es kam das Gerücht auf, sie hätte ihr Kind selbst getötet. Anna Maria wurde verhaftet und kam nach Frauenstein vor das sogenannte "hochnotpeinliche Halsgericht" welches sich ausschließlich mit schweren Verbrechen beschäftigte. Die junge Frau leugnete anfangs die Mordtat, wurde mit "Daumenschrauben" gefoltert, blieb aber dabei, unschuldig zu sein. Bei der zweiten Folterung bekannte sich Anna Maria schließlich zu dem Verbrechen. Der damalige Frauensteiner Stadtrichter brach "den Stab über sie". Diese symbolische Handlung war noch bis in das vorige Jahrhundert üblich. Noch heute sind die Worte "Über einen Menschen den Stab brechen" in Gebrauch. Die "Kindermörderin" wurde am 22. März zur Richtstätte geführt und vom Scharfrichter mit dem Schwert "vom Leben zum Tode" gebracht. Ob die junge Anna Maria wirklich Qualen entgehen wollte, weiß nur Gott allein.

Der genaue Standort des Galgens läßt sich heute nicht mehr feststellen. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde der gemauerte Unterbau abgebrochen.

Giesela Müller
ehemalige Leiterin
Gottfried Silbermann Museum